Laudatio auf Maria Beatty
„Ich mache keine Pornografie“, sagte sie in einem Interview, das ich mit ihr vor einigen Jahren führte. Denn Pornografie im konventionellen Sinn bezieht sich nur auf den Körper, „wie eine kaputte Schallplatte, die hängen geblieben ist und immer dasselbe abspielt.“
Maria Beattys Filme sind also keine „Pornografie“ – aber wer sich jetzt unter einer „poetischen Vision“ etwas abgehoben Abstraktes vorstellt, liegt falsch. Denn Maria Beattys Filme zeigen körperliche Lust in ungeheurer Intensität.
Maria Beattys Filme werden als lesbische BDSM-Filme bezeichnet. Das stimmt – es spielen Frauen, es geht um Fetische, lesbischen Sex und BDSM-Techniken. Doch es stimmt auch nicht. Es geht in ihren Filmen um mehr als um sexuelle Identität oder sexuelle Techniken und körperliche Lust. Es geht um sexuelle Inszenierungen zwischen Körper und Geist.
Um Geschichten, in denen Frauen durch die sexuellen Lüste hindurch und über sie hinaus in eine Ebene zwischen Geist und Körper kommen.
Was immer wieder einmal zu kritischen Nachfragen geführt hat, im Sinne von: „Ist das nicht Gewalt?“ Ist es nicht, denn immer wird die Lust derer spürbar und sichtbar, die sich dem Schmerz ausliefern, der ihnen nicht als „Gewalt“ sondern innerhalb der sexuellen Inszenierung bewusst und ruhig erteilt wird.
Die Körper sind eine Art des Ausdrucks, es geht nicht um Worte. Körper und Gesichter selbst sprechen Es geht darum, wie sie sich bewegt, was sie mit den Händen, den Augen macht. Diese poetische Sprache zeigt sich beispielsweise in den Formungen der Körper durch Bondage in Silken Sleeves.
Diese Sprache ist nicht vergleichbar mit der Sprache in konventioneller Pornografie, in der mit den bekannten banalen „Machs mir, gibs mir, härter, härter!!“ suggeriert werden soll, dass alles, was passiert, von den Frauen erwünscht ist, während die Gesichter, und auch die Körper oft anderes erzählen.
Susan Sontag sagte in ihrem berühmten Essay zur pornografischen Fantasie (in „Kunst und Antikunst“, 1968 auf Deutsch erschienen), dass die sexuelle Fantasie immer auf Dinge zurückgreift, die man in der Realität nicht erlebt und auch nicht erleben möchte, dass es also eine Art imaginäres Reservoir gebe, aus dem man schöpft – es also, um zum Anfang der Rede zurückzukehren – in der Erregung, die den Sex des interviewten Paares anregt, nicht darum geht, nachzuspielen, was man sieht, sondern dass sie aus der poetisch-imaginären Intensität der Filme schöpfen.
Dafür danken wir Maria Beatty: dass sie sie diesen imaginären Schatz mit ihren poetisch-sexuellen Bildern erweitert, aus dem unsere Fantasie schöpfen kann.






